Die Stiftung Sankt Barbara versteht Minenräumung als rein humanitäre Aufgabe. Zu unserem umfassenden Handlungskonzept gehört nicht nur das Räumen von Landminen, sondern vor allem das Bereitstellen von Hilfsmaßnahmen für die betroffene Bevölkerung.
Die einzelnen Bausteine unserer bewährten Hilfsstrategie sind:

1. Feststellung und Beurteilung des Minenproblems
Dieser erste Schritt ist immer die Voraussetzung für weitere Hilfsmaßnahmen. Hierbei wird die geographische Ausdehnung eines Minenfeldes eingegrenzt und die damit verbundenen Auswirkungen auf die Lebensbedingungen der Bevölkerung beurteilt.

2. Aufklärungsmaßnahmen für die betroffene Bevölkerung
Eine umfassende Aufklärung über die Gefahr, die
von Minen ausgeht, gehört zu den wichtigsten Präventivmaßnahmen. Nur wenn die Bevölkerung Kenntnisse im Umgang mit dieser Gefahr hat, können effektiv Leben gerettet werden.

3. Markierung verminter Gebiete
Eine deutliche Markierung eines verminten Areals macht die Gefahr sichtbar. Sie kann eine kostengünstige Zwischenlösung sein, bis die Minen geräumt werden können.

4. Medizinische Erstversorgung der Minenopfer
Dringend erforderlich ist die Entwicklung einer ausreichenden medizinischen Infrastruktur, die es möglich macht, Minenopfern schneller zu helfen.

5. Minenräumung
Die vollständige Räumung der Minen bleibt das vorrangige Ziel, auch wenn die dazu nötigen Mittel nicht immer sofort bereitstehen. Minenräumung ist eine langwierige, kostenintensive und gefahrvolle Aufgabe, die nur von Experten durchgeführt werden sollte.

6. Rehabilitation der Minenopfer
Rehabilitationsmaßnahmen sind wichtig zum Erhalt und zum Wiederaufbau des Selbstwertgefühls eines Minenopfers. Oft sind nach einer Amputation eine Prothese und der sichere Umgang mit ihr die einzige "Brücke" zwischen Isolation und Teilnahme am täglichen Leben.

7. Berufliche Re-Integration der Minenopfer
In vielen Fällen sind Minenopfer nicht mehr in der Lage, ihren Lebensunterhalt in der bisherigen Form zu bestreiten. Dann ist eine berufliche Re-
Integration ein wichtiges psychologisches Element, das gerade in dörflichen und familiär strukturierten Gesellschaften nicht unterschätzt werden darf.

8. Rekultivierung vormals verminter Flächen
Das Rekultivieren entminter Flächen stabilisiert die Gemeinschaft und reduziert die Flüchtlingsbewegung. Deshalb ist es wichtig, Felder, Plantagen und Baugelände möglichst schnell wieder der alten Nutzung zuzuführen.
 

Das Endziel ist und bleibt ein generelles Verbot aller Minen. Doch selbst dieses würde nicht die Millionen Minen entschärfen, die schon auf allen Kontinenten dieser Welt versteckt sind. Der wirkungsvollste – wenn auch nicht billigste – Schutz vor Minen ist und bleibt bis dahin deren sofortige Räumung. Betragen die Herstellungskosten einer Mine gerade mal 3 bis 30 US-Dollar, kostet die Räumung einer Mine zwischen 300 und 1.000 US-Dollar. Zu diesen hohen Kosten kommt es, weil die meisten Minen nicht von "Fachleuten" verlegt wurden und entsprechend mühsam zu orten sind – denn eine
eigentlich notwendige Kartierung bei der Verlegung findet so gut wie nie statt. Weite Areale müssen daher "von Hand" geräumt werden.

Minenräumung verlangt viel Sachverstand und sorgfältig geschultes Personal. Deshalb bildet die Stiftung Sankt Barbara auch vor Ort lokale Minenräumer aus. Denn für jede Stunde, die Minen gelegt werden, müssen 100 Stunden aufgebracht werden, diese wieder zu räumen.